Politikkurs der 7. Klassen
„Was ist das denn?“ „ Das ist bestimmt schwer und sowieso total langweilig!“ „ Dazu habe ich keine Lust, ich will viel lieber in den Arbeit und Technik-Kurs! „
Es gab eine Menge Vorurteile.
Jetzt, nach den ersten drei Wochen, sieht es allerdings schon etwas anders aus. Wir haben ein „Dorf“ gegründet und unsere ersten demokratischen Abstimmungen über die zukünftige Entwicklung dort hinter uns gebracht. Dabei ging es hoch her. Warum haben z.B. einige ein besseres Haus als andere, überhaupt bessere Startbedingungen (die wurden ausgelost, um eine Diskussion über Gerechtigkeit, Verteilung der Güter in der Gesellschaft etc. anzuregen)? Es fand sich sehr schnell eine Einigung darüber, dass den „Zukurzgekommenen“ geholfen werden müsste, aber wie sollte das praktisch aussehen? Die Schüler haben letztendlich eine Dorfkasse gegründet. Jetzt muss noch geklärt werden, wer die Gelder verwaltet, ob derjenige dafür bezahlt wird, wie hoch der Lohn dafür sein soll usw.
Ein weiterer Gefahrenpunkt fiel ihnen auf: Es gibt 9 Mädchen und nur 4 Jungen in dem Kurs. Werden diese durch mehrheitliche Abstimmungen bei manchen Themen nicht unterdrückt? Brauchen wir deshalb einen Minderheitenschutz? Ist es vielleicht notwendig, bei wichtigen Entscheidungen eine Zweidrittel- statt der einfachen Mehrheit vorzuschreiben? Wie soll unsere Verfassung aussehen? Wer leitet die Diskussion und darf damit den anderen das Wort erteilen und auch wieder entziehen? Allein diese Frage hat in der letzten Woche einen großen Raum eingenommen, Macht verantwortungsvoll auszuüben ist nicht immer einfach.
Wenn die Schüler selbst von diesen Fragen betroffen sind, werden sie ihnen plötzlich wichtig.
Sie reagieren verwundert über die Parallelität zur „großen Politik“ und beginnen neugierig zu werden.
Auch der wirtschaftliche Aspekt wird wichtig. Ein 13-Seelen-Dorf weit entfernt von der Zivilisation kann sich keine Mode-Designer, Manager, Richter, Sportwagentuning-Werkstätten etc…. leisten, die tägliche Ernährung muss sichergestellt sein. Dafür muss mindestens eine Kuh angeschafft, Gemüse angebaut und Brot gebacken werden. Unser virtuelles Geld ist aber knapp. Wird sich jetzt eine Art Kolchose herausbilden, wird jeder versuchen für sich selbst möglichst viel herauszuschlagen, wird innerhalb des Dorfes vielleicht sogar das Geld ganz abgeschafft und Tauschhandel eingeführt? Wie reagieren Angebot und Nachfrage aufeinander?
Die nächsten Wochen werden mit Sicherheit aufregend

