Praxistag
Der Praxistag an der Katholischen Bonifatiusschule
Von der Idee bis zur Umsetzung
1. Der Praxistag – Von der Idee bis zur Umsetzung dargestellt in zeitlicher Reihenfolge
Mai 2002 Pädagogische Ganztagskonferenz
Auf dieser Konferenz arbeiten Gruppen zu verschiedenen Themenbereichen nach dem Motto „Gute Schule – besser machen“.
Eine Gruppe entwickelt erste Ideen, was als konkrete Berufsvorbereitung in der Haupt- und Realschule umgesetzt werden kann.
Es wird festgestellt, dass Realschüler z.Zt. noch selbstständig Ausbildungsplätze finden. Anders verhält es sich in der Hauptschule. Hauptschüler sind beim Verlassen der Schule noch sehr jung und daher meist unselbstständiger als Realschüler. Des weiteren müssen sie ein Jahr früher als Realschüler einen konkreten Berufswunsch für sich formulieren. Es erscheint der Gruppe wichtig, besonders in der Hauptschule eine umsetzbare Berufsvorbereitung zu entwickeln. Das Ziel ist, die Schüler intensiv auf eine Ausbildung vorzubereiten.
Es kommt die Anregung, das herkömmliche Praktikum in der 9. Hauptschulklasse zu verändern. Statt einem oder in Ausnahmefällen zwei Praktika zu je drei Wochen, sollen die Schüler je einen Praxistag die Woche haben. Damit ist die Idee vom Praxistag geboren.
Juni 2002 Treffen mit der Gruppe „Berufsvorbereitung“
Auf diesem Treffen wird erkannt, dass ein Praxistag nur dann für die Schüler sinnvoll ist, wenn auch qualifizierte Firmen, d.h. möglichst Ausbildungsbetriebe, bereit sind, diesen Praxistag mit zu tragen. Dazu wäre es aber notwendig, eine Befragung von Firmen zum Thema „Praxistag“ durchzuführen und für den Praxistag zu werben.
Der Kollege Schnitter erklärt sich bereit, neben seinen schulischen Verpflichtungen zusätzlich diese Firmenbefragung durchzuführen und möglichst verbindliche Zusagen von Firmen aus Wilhelmsburg und Harburg für den Praxistag einzuholen.
Im Anhang befindet sich ein Informationsblatt, das bei Firmenbesuchen überreicht wurde.
August 2002
Der Kollege Schnitter erfährt von der Schule „Am Falkenberg“ aus Neugraben. Er nimmt Kontakt auf, da diese Schule bereits zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren diesen Praxistag erfolgreich durchführt. Die Kollegen dort sind sehr kooperativ. Sie werden bei ihrem Vorhaben von der Zeit-Stiftung finanziell unterstützt.
September 2002 Treffen mit der Gruppe „Berufsvorbereitung“
Es wird von der Gruppe beschlossen, Hauptschüler im neunten Schuljahr drei unterschiedliche Praktika mit dem Praxistag durchführen zu lassen. In Anlehnung an die Schule „Am Falkenberg“ soll jedes Praktikum mit einer Praxiswoche beginnen und dann ca. 9 oder 10 Praxistage folgen, je nach dem, wie es das Schuljahr zulässt. Dies hat zur Folge, dass das neunte Hauptschuljahr bereits zu Beginn zeitlich vollkommen geplant werden muss – Klassenreise, Ausflüge, Besinnungstage in Reinbek, mündliche und schriftliche Prüfungstermine.
Im Anhang befindet sich ein Terminplan für das Schuljahr 2003 / 2004
November 2002 Treffen mit der Gruppe „Berufsvorbereitung“
November 2002 Treffen mit der Gruppe „Berufsvorbereitung“
November 2002 Treffen mit der Gruppe „Berufsvorbereitung“
Präsentationsvorbereitung der Ergebnisse für den „Pädagogischen Tag“. Zu diesem Zeitpunkt liegen ca. 25 konkrete Firmenzusagen vor, die das Praktikum mit Praxistag unterstützen wollen.
Dezember 2002 Vorstellen der Ergebnisse am „PÄDAGOGISCHEN TAG“
Im Anhang befindet sich eine Darstellung der Ergebnisse zum „Praxistag“.
An diesem Tag beschließt das Kollegium mehrheitlich, dass das Praktikum mit Praxistag innerhalb von drei Jahren für die Hauptschüler der neunten Klasse verbindlich eingeführt werden soll. Der Praxistag soll Bestandteil des Schulprogramms werden.
Kollege Schnitter ist bereit und erhält daher die Aufgabe, im kommenden Schuljahr mit seiner 9. Hauptschulklasse das Praktikum mit Praxistag exemplarisch durchzuführen.
Die Schulleitung stellt sich ebenfalls hinter dieses Vorhaben und gibt an, den Stundenplan der beteiligten 9. Hauptschulklasse so zu gestalten, dass der Donnerstag als Praxistag realisiert werden kann. Dazu ist es notwendig, dass die Projektgruppe Vorschläge macht, welche Stunden mit Hilfe der Stundentafel als Ausgleich für den unterrichtsfreien Donnerstag gegengerechnet werden können.
Im Anhang befindet sich die Stundentafel der jetzigen H9b.
Von Januar bis Juli 2003
Der Kollege Schnitter stellt eine Liste mit ca. 35 Firmen zusammen, die das Praktikum mit Praxistag verbindlich unterstützen. Dazu war es notwendig, die zuständigen Mitarbeiter der Firmen persönlich aufzusuchen und für den Praxistag Werbung zu machen.
Im Anhang befindet sich die aktuelle Firmenliste mit 50 Betrieben.
Februar 2003 Treffen mit dem Organisator des „COMCLUB“
Ein Vater der Schule hat einen Club gegründet mit Firmen aus Wilhelmsburg und Harburg. Das Ziel ist es einmal jährlich zu einem Treffen zu laden, damit sich die Firmenchefs persönlich kennen lernen können. Die Mitgliederliste wird an den Kollegen Schnitter ausgegeben mit dem Ziel, geeignete Firmen aufsuchen zu können.
Der Kollege Schnitter besucht die Veranstaltung der Zeit-Stiftung im ifl „Kooperation zwischen Schule und Betrieb“ um sich zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Auch hier ist der Praxistag das zentrale Thema.
Mai 2003 Elternabend zum Praktikum mit Praxistag
Am Elternsprechtag im April 2003 werden die Eltern der beteiligten Klasse einzeln über das geplante geänderte Praktikum informiert und nach ihrer Meinung dazu befragt. Die Eltern stehen dem Praktikum positiv gegenüber.
Einige Eltern haben scheinbar Schwierigkeiten sich den Praxistag vorzustellen und fragen im Laufe der Zeit immer wieder nach. Es wird daher ein Elternabend zu diesem Thema einberufen.
Mai 2003 Einteilung der Schüler auf die Praktikantenstellen
Im späteren Verlauf der Darstellung wird vorgestellt, welches organisatorische Verfahren abläuft, wenn sich die Schüler in die Firmenliste eingetragen haben.
August 2003 Das Praktikum der H9b mit Praxistag beginnt.
Aus dem Terminplan ist zu ersehen, dass die Schüler der H9b sich im ersten von drei Praktika befinden und dies mit einer Praxiswoche gleich nach den Sommerferien begonnen haben.
2. Die Vorteile des Praktikums mit Praxistag gegenüber dem herkömmlichen dreiwöchigen Praktikum
Ø Wissenslücken der Schüler können von einem Praxistag zum nächsten geschlossen werden.
Ø Die Schüler befassen sich über einen Zeitraum von zehn Wochen mit dem Berufsbild ihrer Praktikumstelle und nicht nur drei Wochen lang.
Ø Die Schüler erkennen, dass Pünktlichkeit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit besonders im Betrieb notwendig sind, damit der Betriebsablauf nicht gestört wird.
Ø Persönliche Schwierigkeiten der Schüler im Betrieb können am folgenden Tag geklärt werden.
3. Größere Gewichtung des Praktikums
Da ein erheblicher Teil der Unterrichtszeit ins Praktikum verlagert wird, wird die Stellung des Praktikums bei der Leistungsbewertung der Schüler aufgewertet.
Eine gute Schülerbewertung im Beurteilungsbogen sollte bei Bewerbungsschreiben um einen Ausbildungsplatz beigelegt werden.
Im Anhang befindet sich ein Beurteilungsbogen.
Ø Die Schüler erarbeiten eine „Lernaufgabe“ statt eines Praktikumberichtes.
Die Lernaufgabe ergibt sich aus dem jeweiligen Praktikum.
Beispiel: Kfz-Mechaniker: Der Ölwechsel an einem Auto
Bäcker: Ein Brot entsteht
Frisör: Das Färben von Haaren
Diese Lernaufgaben werden von den Schülern in Absprache mit dem Betrieb und dem Klassenlehrer gefunden. Der Schüler verfasst diese Aufgabe schriftlich über ca. 2 DIN A4 Seiten und erhält eine Beurteilung. Zusätzlich wird das Ergebnis der Aufgabe als mündliches Referat gehalten und ebenfalls bewertet.
Eine gut beurteilte Lernaufgabe sollte einem Bewerbungsschreiben beigelegt werden.
4. Ablaufdiagramm: Vom Eintragen der Schüler in die Praktikantenstellen bis zum Beenden eines Praktikums
5. Vorläufige Evaluation
- Die Schüler empfinden die Praxistage überwiegend als positiv.
- Sie beklagen, dass sie 7 Stunden plus Pause -„so lange“- im Betrieb sein müssen. Dies bestätigt jedoch die Notwendigkeit, die Schüler langsam an das Berufsleben heranzuführen.
- Z. Zt bemühen sich zwei Schüler konkret um eine Ausbildungsstelle in dem Betrieb, in dem sie auch das Praktikum absolvieren.
- Ein weiterer Schüler macht einen sehr guten Eindruck als Bauzeichner und die Firma scheint bereit zu sein, einen Ausbildungsvertrag mit ihm abzuschließen. Der Schüler muss für sich jedoch noch entscheiden, ob er eine Ausbildung beginnen oder eine weiterführende Schule besuchen möchte.
- Einige Schüler haben erkannt, dass der Beruf, in dem sie das Praktikum machen für sie doch nicht so geeignet ist.
- In der Schule konnte die stundenplanmäßige Organisation des Praxistages ohne Probleme umgesetzt werden.
- Die Suche nach qualifizierten Firmen ist sehr zeitintensiv. Daher sollen die Schüler möglichst selbst nach geeigneten Firmen für das zweite und dritte Praktikum suchen.
Anhang
Das Praktikum als eine Kompaktwoche mit anschließendem Praxistag
Ziel dieses Projektes ist es, dass Hauptschüler intensiver als bisher auf die Berufswelt vorbereitet sind.
Dazu sollen die Schüler in der neunten Hauptschulklasse insgesamt drei unterschiedliche Praktika absolvieren.
Jedes Praktikum soll zeitlich wie folgt ablaufen:
· Start mit einer Woche (5 Tage) im Betrieb.
· Anschließend ca. 9 Praxistage im Betrieb; je einen Donnerstag pro Woche.
Wir wollen damit erreichen, dass unsere Schüler das ganze Schuljahr über mit der Berufswelt konfrontiert werden, um ihnen so einen einfacheren Übergang von der Schule in die neue Tätigkeit zu geben.
Wissenslücken können durch den Praxistag schneller geschlossen werden, als erst nach drei Wochen Praktikumszeit.
Die Motivation der Schüler für das Lernen in der Schule kann durch die Praxistage gefördert werden, da sie andauernd (wöchentlich) erkennen, dass sie das Schulwissen im Betrieb benötigen.
Die Schüler erkennen, dass Pünktlichkeit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit besonders im Betrieb notwendig ist, damit der Betriebsablauf nicht gestört wird.
Die Schüler haben durch die Praxistage die Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum mit dem Berufsfeld zu beschäftigen um zu erforschen, ob dies ein möglicher zukünftiger Beruf für sie sein könnte.
Eine intensive Beschäftigung mit dem zukünftigen Beruf, verringert die Abbrecherquote der späteren Auszubildenden.
Der Praktikumsbetrieb hat die Möglichkeit, die Schule darauf aufmerksam zu machen, welche unterrichtlichen Ergänzungen sinnvoll wären.
Der Praktikumsbetrieb hat die Möglichkeit, den Schüler als evtl. späteren Auszubildenden zu beobachten, oder ihn in eine andere Firma zu empfehlen.
So investieren Sie mit Sicherheit in Ihre betriebliche Ausbildung.
Terminplan
Stundentafel in der H9
Für den Praxistag werden 6 Unterrichtsstunden angerechnet.
25 Stunden je Woche = 3 Tage mit je 6 Stunden + 1 Tag mit 7 Stunden
Aktuelle Firmenliste
Dies sind 50 Betriebe mit insgesamt 56 Praktikumsplätzen.

